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LebensOrte in Zeiten des Wandels!

Foto: Julia Niederstucke

Mit aktuellen Entwicklungsfragen von LebensOrten beschäftigte sich die Jahrestagung des Fachbereichs LebensOrte von Anthropoi Bundesverband Mitte November 2018 in Mannheim. Welche Anforderungen kommen durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) auf Menschen mit Assistenzbedarf als Leistungsberechtigte zu? Welche auf MitarbeiterInnen von LebensOrten als UnterstützerInnen? Welche auf die Gemeinschaften und LebensOrte? Das Ausrufezeichen war auffordernd gemeint, da alle durch die noch unbekannte Zukunft herausgefordert werden!

Von Karen Riemann

Zukunftsfragen: Achtzig Menschen mit und ohne Assistenzbedarf arbeiteten intensiv mit Zukunftsfragen in Zeiten des Wandels, die zunächst ganz persönliche Antworten verlangen: Was tut mir gut? Was gibt mir Kraft? Was kann ich für mich tun? Der erste Tag ermöglichte persönliche Erlebnisse unterschiedlicher Kraftquellen: Alle TeilnehmerInnen konnten sich einzeln oder miteinander betätigen – klingend, bewegend oder besinnend. Viele von ihnen spürten ein neues Körpergefühl, eine erfrischte Selbstwahrnehmung und fühlten stärker, wach und bewusst dabei zu sein. Abends verwandelte Mascha – aus dem russischen Märchen bekannt – mutig und gewitzt manche sie gefährdende Lebenssituation im Zusammenleben mit dem honigschleckenden Bären. Die bis in die Bühnentechnik hinein sehenswerte Aufführung der TheaterImkerei Pulsnitz zeigte auf wunderbare Weise, wie der Mensch als einzelne Persönlichkeit sein Leben aktiv und einfallsreich (mit)gestalten kann.

Wege suchen: Am zweiten Tag ging es vor allem um Fragen an die Gemeinschaft bzw. Einrichtungen und die Gesellschaft. Viele Menschen wollen alleine wohnen, aber nicht ganz alleine sein. Sie bilden lieber eine Gemeinschaft, um gemeinsam Mensch zu sein. Aber: Wie kann sich Gemeinschaft bilden? Welche Aufgaben hat sie in der Gesellschaft? Und ein besonderer Fokus ist die Frage, wie Gemeinschaft in Zeiten des BTHG funktionieren kann? Wie können Leistungsberechtigte und UnterstützerInnen den neuen Anforderungen gerecht werden, damit der Assistenzbedarf optimal gedeckt wird? Mögliche Antworten ergaben sich im Vortrag von Gabriele Kuhn-Zuber (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin). Am fiktiven Beispiel von Thea ging es um die neue Rolle von Menschen mit Assistenzbedarf: Dabei wird der Blick weg von der Einrichtung hin auf den Bedarf der/des Einzelnen gewendet. Diese personenzentrierte Perspektive erfordert gründliche Auseinandersetzung mit den neuen gesetzlichen Bedingungen bzw. kompetente Beratung aller Beteiligten, z.B. durch die ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTB).

Zum Tagungsende hin ergab sich so ein gemeinsamer "Wegweiser" mit Erkenntnissen und Empfehlungen zu Persönlicher Zukunftsplanung, sinnvoller Mediennutzung, rechtlichen Grundlagen sozialer Teilhabe sowie möglichen Wegen zu neuer Gemeinschaftsbildung. Schlusspunkt der Tagung bildete der Vortrag von Annette Pichler (Rudolf Steiner Seminar Bad Boll). Ihr gelang es, einen großen Bogen, treffender gesagt, eine Flussfahrt bis zur „Quelle meiner Begeisterung“ aufzuzeigen. Sie antwortete damit auf Fragen, die zu Beginn der Tagung ähnlich gestellt wurden: Was will ich wirklich? Wie erkenne ich meine ursprünglichen, wie meine zukunftsweisenden Ziele? Welche Wege führen dahin?

Fazit dreier intensiver Arbeitstage: In Zeiten des Wandels ist es gut und lebenswichtig, immer wieder neue Kraft zu tanken sowie umfassend informiert zu sein! Es gilt, alle Prozessbeteiligten zu stärken, sie zu Selbstwirksamkeit zu befähigen, um ihnen Spielräume zu ermöglichen. So kann jeder Mensch seine Lebenssituation in Gemeinschaft und Gesellschaft nach eigener Vorstellung mitgestalten. Kräftig agieren und reagieren können, ist eine Herausforderung für LebensOrte wie für den Fachbereich LebensOrte als Verbandsorgan.

2019 wird es keine Jahrestagung geben. Dafür hat sich das Ständiger Arbeitsgremium nach reiflicher Überlegung entschieden. Dafür ist bewusst ein längerer Zwischenraum zum Innehalten geplant, um Struktur und Inhalt der gemeinsamen Arbeit zu überdenken. Kräftig agieren und reagieren können, ist eine Herausforderung für die LebensOrte wie für den Fachbereich LebensOrte als Verbandsorgan. Gemeinsam Mensch sein ist somit gleichzeitig Aufgabe und Ziel, für das es sich lohnt, Kräfte und Energien aller Beteiligten bewusst einzusetzen. Wie das konkret aussehen kann, soll mit interessierten Menschen aus möglichst vielen LebensOrten am 20. März 2019 in Kassel beraten und geplant werden. Die Einladung dazu an erfolgt Anfang Januar.

Die Tagungsdokumentation finden Sie unter Tagungen.

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