PROFARM

Bildungswege im Grünen Bereich

 

Mit dem ERASMUS+-Projekt "PROFARM – Professional and personal empowerment in social farming" soll Menschen mit Assistenzbedarf der Einstieg in eine berufliche Tätigkeit im Bereich der Landwirtschaft und des Gartenbaus erleichtert werden.
Von Dr. Gerhard Herz, IBU in München, führt das PROFARM-Projekt für Anthropoi Bundesverband durch

Denkt man, Landwirtschaft habe nicht das Zeug, ein Treiber des gesellschaftlichen Fortschritts oder der sozialen Zukunft zu sein, wäre das ein sehr oberflächliches Urteil! Was passiert, wenn italienische ProjektmanagerInnen, SozialadministratorInnen und LandwirtInnen, holländische BerufsschullehrerInnen, SozialarbeiterInnen sowie deutsche LandwirtInnen und SozialtherapeutInnen in der Dorfgemeinschaft Tennental mit erfahrenen Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft und sozialen Feldern in Sachen sozialer Landwirtschaft zusammenkommen, um sich mit der Idee und der Struktur des PROFARM-Projekts auseinanderzusetzen, in dem es um die Entwicklung und Förderung individueller beruflicher Bildungswege von Menschen mit Assistenzbedarf im landwirtschaftlichen Bereich geht? Und was hat Anthropoi Bundesverband damit zu tun?

Auf Demeter-Höfen und im anthroposophischen Sozialwesen wird schon seit Jahrzehnten das praktiziert, was heute unter dem Begriff Soziale Landwirtschaft zunehmend Interesse findet. Anthropoi Bundesverband ist gefragt worden, Projektpartner bei PROFARM zu werden, weil viele seiner Mitgliedseinrichtungen schon lange gute und praktische Erfahrungen mit der Sozialen Landwirtschaft haben. Das konnten die europäischen TagungsteilnehmerInnen in der Dorfgemeinschaft Tennental bei Stuttgart auch beispielhaft erfahren. Nicht nur, weil der dortige Gastgeber Holger Wilms auch Mitglied im Vorstand von Anthropoi Bundesverband ist, sondern, weil die Tagung mitten im Leben der Tennentaler Gemeinschaft stattfand und z.B. alle TeilnehmerInnen von den "Tennentalern" versorgt wurden, weil sie von ihnen gefragt wurden und damit ganz zwanglos europäische Kontakte entstanden.

Für die TagungsteilnehmerInnen selbst war es interessant zu sehen, dass die Sozialsysteme in Holland, Italien und Deutschland in Bezug auf die Soziale Landwirtschaft sehr unterschiedlich sind. Während Holland und Deutschland dafür bereits etablierte Strukturen besitzen, beginnt man in Italien erst, dieses Feld zu entwickeln. Das Projekt ist damit eine Plattform, auf der die unterschiedlichen Erfahrungen, Strukturen und bereits vorhandenen guten Praxis-Beispiele miteinander ausgetauscht werden - und voneinander gelernt werden kann. Projektziel ist es, zehn junge Menschen mit Assistenzbedarf in jedem Land bei einer ca. zehnwöchigen Bildungsmaßnahme praktisch zu begleiten und zu unterstützen. Die Maßnahme soll dokumentiert werden und die Ergebnisse InteressentInnen zur Verfügung gestellt werden. Ein Hof oder eine Gärtnerei werden damit als Lernfeld genutzt, Soziale Landwirtschaft in unterschiedlichen und vielfältigen Formen im Interesse der Menschen mit Behinderungen zu betreiben. Die gewonnenen Erfahrungen werden über die Projektwebsite (www.profarmproject.eu) der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus können Hinweise für die Sozial- und Wirtschaftsstrukturen in den Partnerländern für die Weiterentwicklung der Sozialen Landwirtschaft und über deren Bildungspotenzial gegeben werden.

Wenn das Projekt im Herbst 2018 abgeschlossen sein wird, steht eine Art Werkzeugkoffer zur Verfügung, den sowohl LandwirtInnen als auch SozialtherapeutInnen und MitarbeiterInnen von Sozial-, Arbeits- und Wirtschaftsbehörden, sowie Eltern, LehrerInnen und Schulen nutzen können, die den Grünen Bereich bisher nicht oder noch zu wenig als Bildungsmöglichkeit für Menschen mit Assistenzbedarf im Blick hatten. Die Landwirtschaft bietet also durchaus initiative Möglichkeiten, Bildung und soziale Zukunft individuell zu gestalten. Dass dabei immer auch sinnvoll Arbeit für Menschen, Gesellschaft und die Natur geleistet wird, ist eigentlich selbstverständlich, soll aber dennoch erwähnt werden.

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